Traumasensibles Raumhalten während Sound Meditationen

Ein traumasensibler Raum ist ein geschützter Ort – innerlich wie äußerlich. Menschen mit Traumaerfahrungen brauchen nicht nur Mitgefühl, sondern auch Strukturen, die Sicherheit, Selbstbestimmung und echte Wahlfreiheit ermöglichen. Raumhalten bedeutet hier: den Raum nicht füllen, sondern ihn so zu gestalten, dass sich andere sicher darin bewegen können.

Hier die zentralen Prinzipien:

1. Transparenz

  • Offenheit über Abläufe, Methoden, Intentionen und Zeitrahmen.

  • Menschen mit Traumaerfahrung fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was sie erwartet.

  • Unklarheit kann Unsicherheit oder alte Muster aktivieren.

  • Beispiel: „Wir starten mit einer sanften Körperübung. Danach kannst du wählen, ob du in Stille reflektierst oder schreibst.“

2. Präsenz

  • Verkörperte, achtsame Gegenwärtigkeit der Raumhaltenden Person.

  • Präsenz reguliert – sie gibt Halt, Orientierung und Resonanz.

  • Kein Funktionieren, sondern echtes Dasein.

  • „Ich bin da, auch wenn du gerade nicht sprechen möchtest.“

3. Offenheit

  • Raum für alles, was sich zeigen möchte – Freude, Schweigen, Widerstand, Tränen.

  • Keine Erwartungen oder Bewertungen.

  • Auch das Nicht-Mitmachen ist willkommen.

  • „Alles, was da ist, darf da sein. Nichts muss.“

4. Einladung statt Anleitung

  • Kontrollverlust ist ein zentrales Thema bei Trauma. Daher: Jede Handlung ist eine Einladung, keine Anweisung.

  • Selbstbestimmung ist heilsam – auch in kleinen Entscheidungen.

  • „Wenn du magst, kannst du deine Augen schließen – oder sie offen lassen, wenn dir das sicherer ist.“

5. Somatische Orientierung – Arbeit mit dem Nervensystem

  • Trauma sitzt nicht (nur) in der Geschichte, sondern im Körper.

  • Ressourcenorientiertes, körperbasiertes Arbeiten stärkt Selbstwahrnehmung und Regulation.

  • Spüren: „Was fühlt sich gerade sicher an in deinem Körper? Gibt es einen Ort, der ruhig ist – auch wenn er klein ist?“

6. Triggerachtsamkeit & Trigger-Warnings

  • Potenziell belastende Themen werden angekündigt.

  • Es wird Raum für Rückzug, Pause oder Selbstregulation geschaffen.

  • „Gleich sprechen wir über ein Thema, das emotional herausfordernd sein könnte. Du kannst jederzeit aussteigen oder für dich sorgen.“

7. Integration ermöglichen

  • Raum für Nachspüren, Integrieren, Einordnen.

  • Methoden: Sharing in der Gruppe (ohne Zwang), Journaling, Stille, achtsames Begleiten.

  • Integration bedeutet: Nicht überflutet zurückbleiben, sondern mit sich selbst verbunden sein.

  • „Nimm dir einen Moment, um aufzuschreiben, was für dich heute wichtig war. Oder bleib einfach in Stille.“

8. Haltung der Begleitung

  • Demütig, nicht „wissend“ oder therapeutisch übergeordnet.

  • Der Mensch wird nicht als Problem, sondern als ganz gesehen.

  • Raumhalten heißt auch: aushalten, wenn Stille entsteht – oder Emotionen.

Fazit

Ein traumasensibler Raum entsteht nicht durch Methoden, sondern durch Haltung.
Durch Präsenz, Transparenz und echte Wahlfreiheit wird Sicherheit nicht versprochen, sondern erfahrbar – im Körper, im Nervensystem und im eigenen Tempo. Raumhalten bedeutet, den Raum nicht zu füllen, sondern ihn offen zu lassen: für Wahrnehmung, Selbstregulation und Integration.

Gerade in der Arbeit mit Klang und Nervensystem zeigt sich, wie heilsam Einladung statt Anleitung wirkt. Wenn Menschen entscheiden dürfen, wie weit sie gehen möchten, entsteht Vertrauen. Und aus diesem Vertrauen kann Verbindung, Stabilität und nachhaltige Integration wachsen.

Vertiefung im Sound Medicine Membership-Portal

Wenn du diese Form von Raumhalten weiter erforschen möchtest, findest du im Sound Medicine Membership-Portal einen geschützten Rahmen dafür.
Dich erwarten zahlreiche traumasensible Sound Meditationen sowie regelmäßige Live-Zeremonien und Veranstaltungen, in denen Präsenz, Regulation und bewusste Begleitung erfahrbar werden – kontinuierlich und in deinem eigenen Rhythmus.

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Lisa Schuster